“Hart aber fair” – Propaganda für Leichtgläubige
1. Juni 2008 von admin
Fast zeitgleich zu den Artikeln “Was derzeit wirklich passiert 1-2″ gings am 21.5.2008 in der Sendung “Hart aber fair” einmal mehr um die Situation der Ärzte im Gesundheitssystem.
Gerade dass solche Sendungen als scheinbar kontrovers geführte Diskussionen geführt werden und dabei den Eindruck von Meinungsfreiheit erwecken sollen, machen sie aber zu einem idealen Propagandawerkzeug.
Die eigentliche Botschaft wurde dabei geschickt zwischen den einzelnen Beiträgen so platziert, dass sie ganz unabhängig vom Verlauf der Diskussion (die ganz offensichtlich ohnehin in hohem Masse gebrieft, d.h. vorher abgesprochen war) dennoch einen bleibenden Eindruck für die Meinungsbildung des Volkes hinterlassen sollte. Und diese Botschaft war in diesem Falle: Die Fachärzte verdienen sehr viel mehr Geld, als andere, ähnlich gut ausgebildete Berufsgruppen, was ihnen eigentlich jeden Grund zur Unzufriedenheit abspricht.
Derselbe Unsinn wurde wenige Tage vorher bereits vom Stern verbreitet. Als Quelle dieser Zahlen wurde das Bundesgesundheitsministerium genannt! … und das wird doch wohl keine fehlerhafte Statistik herausgeben!?
Die daraus abgeleitete Argumentation kann allerdings in der Tat nicht stimmen. Es wurden nämlich ganz augenscheinlich Umsätze, die aus den statistisch leicht zugänglichen Zahlungen der Kassenärztlichen Vereinigungen erfasst wurden (was Herr Lauterbach auch einräumte) mit dem Netto-Einkommen der anderen Berufgruppen verglichen – d.h. der Bruttoumsatz der Ärzte (von dem noch alle Kosten für Miete, Personal, Geräteleasing sowie Abschreibungen für sonstigen Firmenwert etc. abgezogen werden müssen, um auf das tatsächliche Einkommen zu kommen) wurde mit dem Nettoeinkommen vor Steuern der anderen Berufsgruppen verglichen.
Behauptet wurde aber, bei den genannten Zahlen (83.000,– Euro Jahresgewinn) für die Ärzte seien sämtliche Ausgaben für Praxis, Personal bereits abgezogen … es sich also um ein Nettoeinkommen vor Steuern handeln soll. Wenig später hört man von Herrn Theilmeier als Vertreter der Fachärzte in dieser Runde, dass einem Hausarzt realistisch gerechnet ca. 3.100,– Euro im Monat netto übrig bleiben. Herr Lauterbach von der SPD (was er nicht oft genug betonen kann) behauptet wenige Minuten später, Ärzte hätten im Durchschnitt 10.000,– Euro Bruttoeinkommen (also vor Abzug aller Kosten, was bedeuten würde, dass ein Arzt bei dem behaupteten 120.000,– Euro Jahres-Bruttoeinkommen und 83.000,– Euro Jahresgewinn lediglich Kosten von ca. 3.000,– Euro im Monat hätte, was allein bei den heutigen Mieten und Personalkosten wohl eher ein Witz sein soll). Also was jetzt? – Irgend etwas an diesen Zahlen kann doch da nicht stimmen!
Der Moderator hat diese aufkommenden Widersprüche dann geistesgegenwärtig vom Tisch gefegt und ist schnell zum nächsten Thema übergegangen, ehe noch jemand auf die Idee kommen könnte, diese Zahlen genauer zu hinterfragen.
Beim nächsten Thema sollte uns dann suggeriert werden, dass die Ärzte nicht nur geldgierig sind, sondern dazu auch noch zu kriminellen Handlungen neigen. Die sachliche Darstellung des Vertreters der Staatsanwaltschaft hat dem dann allerdings viel an Schärfe genommen, was die Sendung an diesem Punkt ein bisschen aufgewertet hat.
Nach einem Intermezzo bei einem engagierten Hausarzt, der nach einem arbeitsreichen Leben nun – auf Grund der durch die Politik geschaffenen Zustände – nicht einmal mehr seine Praxis verkaufen kann, ging es dann gegen Ende der Sendung mit eingeblendeten Slogans weiter, die den Zuschauer wieder zum eigentlichen Zweck der Sendung zurückbringen sollte. Slogans, die uns weismachen wollten, dass die Ärzte für steigende Krankenkassenbeiträge plädieren, für Steuererhöhungen und für das Ende der Mitversicherung von Ehegatten.
Einmal mehr wurde hier die Intention dieser Sendung überdeutlich, denn das sind alles Forderungen, die neuerdings vom Gesundheitsministerium verkündet werden.
Der Bevölkerung soll also damit weisgemacht werden, dass die Gier der Ärzte daran schuld sei, dass wieder einmal Beiträge und Steuern erhöht werden sollen.
Ein zutiefst unaufrichtiges Spiel, das hier gespielt wird. Herr Theilmeier hat das eigentliche Problem im Verlauf der Sendung einmal treffend auf den Punkt gebracht: “Diejenigen, die die Hütte angezündet haben (die Politiker), schreien nun, dass die Hütte brennt“ – und ich füge hinzu: Jetzt machen sie auch noch diejenigen, die den Brand vor Ort tagtäglich löschen müssen, für das Feuer verantwortlich.
Kaum ein Wort darüber, ob es möglich wäre, bei der überbordenden Bürokratie einzusparen (die ja scheinbar bereits mindestens 30% oder auch sehr viel mehr des Budgets auffrisst – exakte Zahlen waren aber dazu offensichtlich nicht zu bekommen und der Versuch von Herrn Fliege, dieses Thema auf den Tisch zu bringen wurde sofort abgeschmettert) – keine Chance, denn es muss ja verhindert werden, dass immer mehr Ärzte ohne bürokratische Rundum-Überwachung kriminell werden!
Alles, was die Politik da seit Jahren im Gesundheitsbereich zusammengeschustert hat und was hinten und vorne nicht wirklich funktioniert wird nicht angetastet oder auch nur in Frage gestellt, sondern eher noch weiter in der bisherigen Richtung ausgebaut. Aber diejenigen, die bisher gerade mal wenig mehr als 10% des Budgets für die eigentliche Arbeit bekommen, um die es hier geht – die sollen nun daran Schuld sein, wenn das Gesundheitsministerium keine andere Lösung findet, als Beiträge und Steuern zu erhöhen?
Ich würde sagen, hier haben wir es wieder mit einem eklatanten Fall für unsere fiktive Lügen-Sünder-Kartei in Flensburg zu tun (siehe mein Vorspann zum Artikel: “Was derzeit wirklich passiert”) – mindestens 10 Punkte und beim nächsten Mal Regierungs-Lizenz-Entzug wäre in meinen Augen das Mindeste!
Dass am Schluss der Sendung fast alle Beteiligten den Vertreter der Politik als Partner im Boot haben wollten (wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven) wirkte dann auch sehr “gebrieft” und hat einmal mehr gezeigt, was wir von solchen Propagandasendungen zu halten haben.
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